Unbekanntes Wrocław - Erzdiözesanmuseum

In Ostrów Tumski, zwischen dem Priesterseminar und der Kirche St. Ägidius liegt das Gebäude des Erzdiözesanmuseums. Die hier gesammelten Sehenswürdigkeiten stammen aus den Kirchen und Kapellen aus ganz Schlesien. Aber nicht nur von dort.

  • Unbekanntes Wrocław - Erzdiözesanmuseum

    Unbekanntes Wrocław - Erzdiözesanmuseum

  • Dunkelhäutiger Hl. Mauritius / Fot. Tomasz Walków

    Dunkelhäutiger Hl. Mauritius / Fot. Tomasz Walków

  • Erzdiözesanmuseum in Wrocław / Fot. Tomasz Walków

    Erzdiözesanmuseum in Wrocław / Fot. Tomasz Walków

  • Auf den Treppen, in Durchgängen und Korridoren... überall Exponate / Fot. Tomasz Walków

    Auf den Treppen, in Durchgängen und Korridoren... überall Exponate / Fot. Tomasz Walków

  • Exponate aus der Sammlung Kardinals Henryk Gulbinowicz – Etrusker und Griechen / Fot. Tomasz Walków

    Exponate aus der Sammlung Kardinals Henryk Gulbinowicz – Etrusker und Griechen / Fot. Tomasz Walków

  • "Madonna unter den Tannen" / Fot. Tomasz Walków

    "Madonna unter den Tannen" / Fot. Tomasz Walków

  • Hl. Johannes der Täufer von ca. 1160 - die älteste romanische Skulptur Niederschlesiens / Fot. Tomasz Walków

    Hl. Johannes der Täufer von ca. 1160 - die älteste romanische Skulptur Niederschlesiens / Fot. Tomasz Walków

  • Im gotischen Saal ist das größte Objekt der Hl. Georg. Diesem gegen den Drachen kämpfenden Ritter begegnen wir ständig / Fot. Tomasz Walków

    Im gotischen Saal ist das größte Objekt der Hl. Georg. Diesem gegen den Drachen kämpfenden Ritter begegnen wir ständig / Fot. Tomasz Walków

  • Tontafeln mit Keilschrift / Fot. Tomasz Walków

    Tontafeln mit Keilschrift / Fot. Tomasz Walków

  • Die Vita des Hl. Johannes des Täufers, das Werk befand sich vor dem 2. Weltkrieg im Dom von Wrocław / Fot. Tomasz Walków

    Die Vita des Hl. Johannes des Täufers, das Werk befand sich vor dem 2. Weltkrieg im Dom von Wrocław / Fot. Tomasz Walków

  • Erzdiözesanmuseum in Wrocław / Fot. Tomasz Walków

    Erzdiözesanmuseum in Wrocław / Fot. Tomasz Walków

  • Erzdiözesanmuseum in Wrocław / Fot. Tomasz Walków

    Erzdiözesanmuseum in Wrocław / Fot. Tomasz Walków

  • Gründungstafel der Kirche Hl. Kreuz in Wrocław / Fot. Tomasz Walków

    Gründungstafel der Kirche Hl. Kreuz in Wrocław / Fot. Tomasz Walków

  • Liturgische Gewänder, angeblich von Hl. Hedwig persönlich bestickt / Fot. Tomasz Walków

    Liturgische Gewänder, angeblich von Hl. Hedwig persönlich bestickt / Fot. Tomasz Walków

  • Erzdiözesanmuseum in Wrocław / Fot. Tomasz Walków

    Erzdiözesanmuseum in Wrocław / Fot. Tomasz Walków

  • Erzdiözesanmuseum in Wrocław / Fot. Tomasz Walków

    Erzdiözesanmuseum in Wrocław / Fot. Tomasz Walków

  • Legendäre Abdrücke der Füße des Hl. Adalberts / Fot. Tomasz Walków

    Legendäre Abdrücke der Füße des Hl. Adalberts / Fot. Tomasz Walków

  • Erzdiözesanmuseum in Wrocław / Fot. Tomasz Walków

    Erzdiözesanmuseum in Wrocław / Fot. Tomasz Walków

  • Erzdiözesanmuseum in Wrocław / Fot. Tomasz Walków

    Erzdiözesanmuseum in Wrocław / Fot. Tomasz Walków

  • Exponate aus der Sammlung Kardinals Henryk Gulbinowicz – Etrusker und Griechen / Fot. Tomasz Walków

    Exponate aus der Sammlung Kardinals Henryk Gulbinowicz – Etrusker und Griechen / Fot. Tomasz Walków

  • Um alles kümmert sich persönlich der Hausherr, Pater Prof. Józef Pater / Fot. Tomasz Walków

    Um alles kümmert sich persönlich der Hausherr, Pater Prof. Józef Pater / Fot. Tomasz Walków

  • Mumie eines 8-jährigen Jungen aus dem 4. Jh. v Chr. / Fot. Tomasz Walków

    Mumie eines 8-jährigen Jungen aus dem 4. Jh. v Chr. / Fot. Tomasz Walków

  • "Christus als Keltertreter" vom 1486 / Fot. Tomasz Walków

    "Christus als Keltertreter" vom 1486; fot. Tomasz Walków


Von Außen sieht das Gebäude relativ unscheinbar aus. Einfach eines von vielen in diesem Teil der Stadt. Wenn wir allerdings hineingehen, werden wir an jeder Stelle von Sehenswürdigkeiten umgeben. Man bräuchte mindestens mehrere Stunden, um dieses Objekt zu besichtigen, wir allerdings haben die interessantesten Exponate in etwa Viertelstunde gesehen. Unser Führer war Pater Prof. Józef Pater, der Direktor des Museums.

Die wertvollsten und ältesten

Gleich am Eingang, gegenüber der Kasse und dem Museumsshop erblickt man in der schönen Umrahmung des hellblauen Raumes die "Madonna unter den Tannen". Früher hing das Werk im Dom von Wrocław, nach dem Krieg verließ es die Stadt und in Wrocław blieb eine Kopie. Erst 2012 kehrte das Bild nach Polen zurück. Gemalt wurde das Werk von Lukas Cranach dem Älteren, Grafiker und Maler der Renaissance. Es entstand 1510 im Auftrag des Dekans des Domkapitels.

Hier befindet sich auch das "Gründungsbuch von Henryków" - "Liber fundationis claustri sanctae Mariae Virginis in Heinrichow" (lat. Gründungsbuch des Klosters der Hl. Jungfrau Maria in Henryków). In den Aufzeichnungen von 1270, auf der Seite 24 befindet sich ein Satz, der als die älteste Inschrift in polnischer Sprache gilt: "Als er dort eine Zeitlang lebte, nahm er zu seinem Weib die Tochter eines Klerikers, eine Bäuerin, dick und unbeholfen. Bezeichnenderweise waren zu damaligen Zeiten die Wassermühlen sehr selten, deshalb stand die Frau dieses Böhmen Bogvals oft am Mühlstein und mahlte. Ihr Gatte Bogval hatte Mitleid mit ihr und sagte: "Sine, ut ego etiam molam" – das ist auf Polnisch und bedeutet: " Lass mich jetzt mahlen, und du ruh dich aus!" So mahlte dieser Böhme abwechselnd mit seinem Weib und drehte den Stein genauso oft wie sein Weib."

Am 10. März 2014 wurde das Gründungsbuch von Henryków für die UNESCO-Liste "Gedächtnis der Menschheit" nominiert.

Bei der Besichtigung des Erzdiözesanmuseums bemerkt man, dass man nicht nur in den einzelnen Sälen, sondern buchstäblich überall von sakralen Objekten umgeben ist. In einem Saal begegnen wir dem Hl. Johannes dem Täufer. Kein Wunder, denn dieser Heilige ist vom Anfang an der Schutzpatron der Kathedrale von Wrocław. Diese Figur schauen wir uns allerdings an. Es ist die älteste romanische Figur in Niederschlesien.

Woher stammen die vielen Exponate?

Die erste Idee der Gründung des Diözesanmuseums – das später in Erzdiözesanmuseum umbenannt wurde – entstand im Zusammenhang mit der weitgehenden Zerstörung vieler historischer Objekte, die ihre Funktion als religiöse Kultgegenstände verloren hatten, infolge der brutal durchgeführten Säkularisierung der schlesischen Klöster durch die preußische Regierung von 1810, oder durch die umfassenden Umbaumaßnahmen der Kirchen Ende des 19. Jh., die die ursprüngliche Ausstattung der alten, oft hölzernen Kirchen, nicht mehr benötigten. Viele kostbare Objekte landeten damals auf dem Dachboden oder im Keller. Meistens wurden sie allerdings verbrannt, entsprechend dem alten Prinzip, dass das "Heilige nicht rumliegen solle". Vieles ging unwiederbringlich verloren. Die nächsten kirchlichen Würdenträger appellierten an die Pfarrer, sie sollen sich um die historischen Objekte besonders kümmern. Der um die Jahrhundertwende in Wrocław amtierende Kardinal Georg Kopp rief ein kirchliches Museum ins Leben.

Er ordnete außerdem an, in der ganzen Diözese eine Generalinventarisierung aller historischen und wertvollen Gegenstände durchzuführen und begann mit konkreten Maßnahmen zur Gründung des Diözesanmuseums. In diesem Zusammenhang ernannte er einen Museumsdirektor und stellte Räume für die zukünftige Ausstellung bereit. Der erste Direktor wurde Pater Dr. Joseph Jugnitz, der bereits seit 31 Juli 1895 die kirchlichen Archiv- und Bibliothekbestände leitete, als Autor zahlreicher Arbeiten über die Geschichte Schlesiens berühmt wurde und zu den größten schlesischen Kirchenhistorikern gehört.

Nicht nur Schlesien

Seit dieser Zeit wurden an diesem Ort Tausende von verschiedenen Objekten angesammelt. Überwiegend aus Schlesien. Es gibt allerdings auch originelle Exponate aus der Sammlung Kardinals Henryk Gulbinowicz – Etrusker und Griechen. Im Saal, die an diese Sammlung grenzt, kann man auch u.a. eine Mumie eines 8-jährigen Jungen aus dem 4. Jh. v Chr. oder Tontafeln mit Keilschrift sehen.