Unbekanntes Breslau – legendäres Solidarność-Depot

Hier wurden Streiks begonnen

  • Unbekanntes Breslau – legendäres Depot in ul. Grabiszyńska

    In diesem Gebäude hat "Solidarność" auch Messen gefeiert (fot. Janusz Krzeszowski)

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    Fahrplantafel für die Busfahrer (fot. Janusz Krzeszowski)

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    Populärer Bus Jelcz wegen seiner Form "Gurke" genannt (fot. Janusz Krzeszowski)

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    Auf dem Platz vor dem Depot parken mehr als 150 Busse (fot. Janusz Krzeszowski)

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    In der ul. Grabiszyńskia gibt es Lakiererei, Diagnosestation und vollständigen Busservice (fot. Janusz Krzeszowski)

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    Im Depot wurde Gedenkstätte mit Listen der Internierten und Erinnerungsstücken der "Solidarność" eingerichtet (fot. Janusz Krzeszowski)

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    In der ul. Grabiszyńska parken auch die modernsten Busse MPK (fot. Janusz Krzeszowski)

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    Jeder Bus kommt nach dem Kurs in die Waschanlage (fot. Janusz Krzeszowski)

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    Reparaturhalle im Depot in der ul. Grabiszyńska (fot. Janusz Krzeszowski)

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    Innenraum des Busses Jelcz 043 (fot. Janusz Krzeszowski)

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    Richtungsschilder für Busse, die noch kein elektronisches Infosystem haben (fot. Janusz Krzeszowski)

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    Deutsche Wandanker für das Straßenbahnnetz zeugen von der Vergangenheit dieser Anlage (fot. Janusz Krzeszowski)

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    Auf dem Parkplatz stehen Fahrzeuge der Marken Mercedes, Volvo und Jelcz (fot. Janusz Krzeszowski)

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    Technisches Fahrzeug nach dem "Tuning" der Mechaniker von MPK Wrocław (fot. Janusz Krzeszowski)

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    Karosseriewerkstatt (fot. Janusz Krzeszowski)

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    Historisches Verwaltungsgebäude (fot. Janusz Krzeszowski)

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    Das Depot grenzt an Mehrfamilienhäuser (fot. Janusz Krzeszowski)

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    Kontrollraum. Herz des Depots. Hier bekommen die Fahrer die Schlüssel, Fahrpläne und alle Informationen (fot. Janusz Krzeszowski)


Um das Busdepot des Kommunikationsbetriebs MPK Wrocław in der ul. Grabiszyńska ranken sich Legenden, da es sich um die Wiege der Breslauer "Solidarność" handelt, wo u.a. Władysław Frasyniuk und Tomasz Surowiec einst gearbeitet haben. Die Geschehnisse im Depot in der ul. Grabiszyńska wurden in der Handlung des bekannten polnischen Films "80 Millionen" aufgegriffen. Allerdings nur wenige wissen, dass es ursprünglich ein Straßenbahndepot war. Noch dazu ein historisches, denn das erste in Breslau. Es entstand noch im 19. Jahrhundert.



In der heutigen Zeit gastierten hier u.a. Jerzy Buzek, Rockstars mit ihren Konzerten sowie Teilnehmer von elitären und für Öffentlichkeit geschlossenen Red Bull-Events.

Ehemalige Schmiede und Lackiererei

- Mit der Inbetriebnahme in Breslau der ersten Straßenbahnen mit elektrischem Antrieb erbaute die Gesellschaft Elektrische Straßenbahn Breslau im Stadtteil Grabiszyn ein Straßenbahndepot. Die erste Straßenbahnhalle, die 1893 erbaut wurde, sowie Überdachungen aus Wellblech für Anhängerwagen sind nicht erhalten geblieben. An der Stelle der alten Konstruktion wurde 1898 aus Backstein, Stahl und Glas ein 8-gleisiges Durchgangsdepot für 70 Wagen errichtet – erzählt Tomasz Sielicki, der über die Geschichte der städtischen öffentlichen Verkehrsmittel forscht.



(Quelle: dolny-slask.org.pl/ )

Der Hinterbereich des Depots bestand aus Montagehalle mit 7 Meter langem Kanal, Schmiede, Lackiererei sowie Wohnung des Depotmeisters. In den kommenden Jahren wurde die Anlage um ein Verwaltungsgebäude erweitert, das zugleich der Sitz der Gesellschaft war, zu dem auch zwei Wohnungen gehörten, u.a. für den Direktor der ESB. Zurzeit befinden sich in dem von MPK renovierten historischen Gebäude die Schaltzentrale, ein Raum für die Fahrer sowie die komplette Verwaltung.
- Während des Zweiten Weltkriegs ist das Depot in der ul. Grabiszyńska schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. Beim Wiederaufbau wurde beschlossen, das Gebäude nur für den Busservice zu nutzen. Die Anlage, wenn auch stark verändert, existiert bis heute und die Spuren ihrer Vergangenheit als Straßenbahndepot sind immer noch sichtbar – resümiert Tomasz Sielicki.

Das Haus der modernsten Busse

Heute wird das Depot immer noch von MPK Wrocław benutzt. Dort parken Busse der Marken Mercedes, Volvo und Jelcz, insgesamt mehr als 150 Fahrzeuge. Täglich verlassen die Anlage in der ul. Grabiszyńska Busfahrer der 29 Linien der Breslauer öffentlichen Kommunikation. Die Arbeit im Depot muss genau geplant und programmiert werden, ähnlich wie am Flughafen. Die Busse kommen an, werden gewaschen, überprüft, getankt und beginnen zu bestimmten Uhrzeiten ihren Kurs. „Am heißesten“ ist es am Depottor gegen 5 Uhr in der Früh sowie nachts um 23.30 Uhr, wenn die Busse losfahren und zurückkehren. Die Fahrer stellen sich hintereinander an, um in die Waschanlage zu kommen, den Bus zu tanken (der Tank muss in der Früh voll sein), und ihn später am genau bestimmten Platz abzustellen. So läuft es an 365 Tagen im Jahr, 24 Stunden pro Tag, an Feiertagen sowie am Silvester, wenn wir alle nur das Knallen der Sektkorken im Kopf haben.

Dort entstand "Solidarność"

In den 80ern wurde das Depot in der ul. Grabiszyńska zum Geburtsort der Breslauer Gewerkschaftsbewegung "Solidarność".


Hier brach am 26. August 1980 ein Streik aus, bei dem sich die Beschäftigten mit den Arbeitern an der Ostseeküste solidarisierten. An seine Spitze stellte sich Władysław Frasyniuk, Mitarbeiter dieses Depots. In den Hallen wurden Treffen der Gewerkschaftler organisiert, an den Toren Parolen der Unterstützung angebracht. Bis heute erinnert daran eine Gedenktafel und hinter dem Zaun ein Bus der Marke Jelcz 043, der wegen seiner Form als "Gurke" bezeichnet wurde. Dies war nicht nur der Ort der Geburt der Breslauer Solidarność, sondern auch ein wichtiger Moment in der Gestaltung der Identität des modernen Breslaus.

Aus diesem Grund wäre dies ein perfekter Ort für das Museum, dessen Entstehung vom Zentrum Pamięć i Przyszłość (dt. Gedächtnis und Zukunft) vorgeschlagen wurde. Man hat sogar bereits eine Ausschreibung für den Entwurf und den Bau des Geschichtlichen Zentrums "Zajezdnia" (dt. Depot) veröffentlicht. Es wird ein Raum, in dem moderne Multimediaausstellungen gezeigt werden, außerdem auch große, räumliche Präsentationen, Spiele und Bildungsinfos, Licht und Ton – das alles könnte im Depot in der ul. Grabiszyńska untergebracht werden. Das Museum im Depot gehört zu den vielen Projekten, die im Rahmen der Europäischen Kulturhauptstadt 2016 realisiert werden.

Text und Foto: Janusz Krzeszowski
Video: Arkadiusz Cichosz