Fundamente der großen Neuen Synagoge gefunden

Die Neue Synagoge von Wrocław, die 1938 zerstört wurde, konnte 2000 Menschen aufnehmen. Sie war die zweitgrößte Synagoge in Deutschland der Vorkriegszeit. In der ul. Łąkowa fanden die Archäologen Reste ihrer Fundamente.

  • Visualisierung der brennenden Neuen Synagoge, Aufnahme aus dem Film "Wir sind Juden aus Breslau"


Die neuromanische Synagoge nach Entwurf von Edwin Oppler wurde 1865 in der heutigen ul. Łąkowa errichtet. Sie imponierte durch ihre Monumentalität, verfügte über vier Türme und eine ca. 70 m hohe Kuppel. Ihr Größenverhältnis lässt sich nur mit dem Gebäude des Nationalen Musikforums vergleichen. Eine größere Synagoge gab es nur in Berlin.

Der Bau eines neuen Gebetshauses ist durch die Entwicklung der jüdischen Gemeinde in Wrocław notwendig geworden (in der zweiten Hälfte des 19. Jh. lebten in Breslau rund. 20 Tausend von ihnen). Zum Argument für den Bau wurde zudem die Trennung innerhalb der jüdischen Gemeinde: in Orthodoxe und Liberale. Die Neue Synagoge wurde für die zweite Gruppe errichtet.

Abb. Wratislaviae Amici

Die Neue Synagoge wurde von den Nationalsozialisten während der Reichskristallnacht, vom 9. auf den 10. November 1938 zerstört. – „Es war eine dramatische Ankündigung der Vernichtung des jüdischen Volkes“ – sagt Bente Kahan, Künstlerin, Vorsitzende der Stiftung Bente Kahan.

Es war auch die Stiftung, die zusammen mit der jüdischen Gemeinde Wrocław die archäologischen Grabungen auf dem Grundstück in der ul. Łąkowa initiierte.

Bente Kahan: - Seit 12 Jahren treffen wir uns jedes Jahr am Jahrestag der Reichskristallnacht am Denkmal am Standort der Synagoge. Wir sprachen mehrmals untereinander, dass es gut wäre, zu untersuchen, was von der Synagoge erhalten geblieben ist, was sich unter der Erde verbirgt. Dieser Ort ist nicht nur für die jüdische Gemeinde wichtig, sondern auch für die Geschichte Wrocławs.

Zwischen dem Kindergarten und dem Parkplatz

Möglich war die Aufnahme der Grabungen nur dank der finanziellen Unterstützung des Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland Frank-Walter Steimeier. Vor kurzem wurde er mit dem Ignaz Bubis-Preis ausgezeichnet. Dieser in Wrocław geborene Unternehmer und Politiker war sehr in die Verständigung der Völker engagiert. Steinmeier hat das Preisgeld aufgeteilt: einen Teil stiftete er für die Entwicklung der judaistischen Studien in Heidelberg und den zweiten Teil - 25 Tsd. Euro - der Stiftung Bente Kahan.

Der ehemalige Standort der Neuen Synagoge ist heute von der Nordseite teilweise durch einen Kindergarten sowie Wohnhäuser aus der Nachkriegszeit und vom Süden durch den Parkplatz einer privaten Hochschule bebaut. Der jüdischen Gemeinde gehören ca. 60 Prozent des Grundstücks, auf dem einst das Gebetshaus stand.

Die Archäologen haben nicht blind gegraben. In den Archiven, auch in denen von Wrocław, hat sich eine umfangreiche Baudokumentation erhalten. Vorerst wurden einige punktuelle Grabungen durchgeführt. Von der Seite der ul. Łąkowa lag der Haupteingang der Synagoge. – „Dort haben wir Fragmente eines Terrakottabodens gefunden. Es waren grün-blaue Fliesen mit roten Ecken” – sagt der Archäologe Radosław Gliński.

- Dort wurden auch Fragmente von Fundamenten freigelegt, die aus soliden Granitblöcken errichtet waren“ - fügt Anna Kościuk hinzu, Architektin, die mit der jüdischen Gemeinde zusammenarbeitet. – „Vom Gebäude selbst sind keine Reste erhalten geblieben, doch neben dem Parkplatz befindet sich noch eine verzierte Mauer, die einst das gesamte Gelände der Synagoge umgab.

Auf dem durch Sträucher bewachsenen Grundstück wurden einige Reste der Wände sowie der Säule freigelegt, die früher im Mittelpunkt des Gebetshauses gestanden hatte. Es ist noch keine Entscheidung getroffen worden, wie umfangreich die Arbeiten der Archäologen sein sollen. Es gibt auch noch kein Nutzungskonzept für den Platz, auf dem früher die Neue Synagoge stand. – „Dieser Ort ist wie ein Denkmal. Ich wünsche mir, dass er nicht nur an die dramatischen Geschehnisse der Reichskristallnacht erinnert, sondern auch, dass er lebendig bleibt“ – sagt David Basok, der Rabbiner von Wrocław David Basok. – „Das man hier mehr über die Juden erfahren könnte, die in der heutigen Zeit Wrocław zu ihrem Lebenspunkt gewählt haben“.

Bente Kahan: - In einem Jahr findet der 80. Jahrestag der Reichskristallnacht statt. Ich möchte, dass bis dahin dieser Ort anders aussieht als jetzt.