Breslau bekommt eine Brauerei!

Bier nach Hausrezeptur und Verkostung vor Ort schon im Herbst

  • Browar Stu Mostów wird offiziell im September eröffnet

    Browar Stu Mostów wird offiziell im September 2014 eröffnet (fot. Tomasz Walków).

  • In diesem Raum soll das Breslauer Bier hergestellt werden.

    In diesem Raum soll das Breslauer Bier hergestellt werden. Schon im Juli beginnt die Montage der Einrichtung (fot. Tomasz Walków)

  • Die Besitzer beim Pressetermin (fot. Tomasz Walków)

    Beim Pressetermin haben die Besitzer ihr Können im Ausschank von deutschen Biersorten unter Beweis gestellt (fot. Tomasz Walków)

  • Arletta und Grzegorz Ziemian - Besitzer der Brauerei

    Arletta und Grzegorz Ziemian - Investoren und Besitzer der Brauerei Browar Stu Mostów (fot. Tomasz Walków)

  • Restaurierte Fensterläden der Brauerei. (fot. Tomasz Walków)

    Die restaurierten Fensterläden sorgen für spezielle Atmosphäre in der Brauerei. (fot. Tomasz Walków)

  • Adresse: ul. Jana Długosza 2, neben Mosty Warszawskie.

    Adresse: ul. Jana Długosza 2, neben Mosty Warszawskie. Dort befand sich früher das Kino Wodomierz (fot. Tomasz Walków)


Browar Stu Mostów - (dt. Brauerei der Hundert Brücken) lautet der offizielle Name der Brauerei, die schon im September dieses Jahres in der Jana Długosza 2 eröffnet werden soll. Es wird momentan die einzige Brauerei Breslaus bleiben. Denn seit die Brauerei Browar Piastowski, deren Gebäude heute langsam verfällt, geschlossen werden musste, ist die Stadt, die zum Beginn des 20. Jh. über rund 80 Einrichtungen dieser Art verfügte und sich einer 800jährigen Tradition des Bierbrauens rühmte, quasi zu einer Brauereiwüste geworden.

 

Zwar kann man das „vor den Augen“ der Kunden gebraute Bier am Breslauer Ring verkosten – in der Minibrauerei und Restaurant Spiż, die viel Lob seitens der die Altstadt besuchenden Touristen erfährt, für eine Metropole mit mehreren Hundert Einwohnern ist es immer noch zu wenig.

Wie möchten die Betreiben des Browar Stu Mostów diese Lücke... auffüllen? Für die Eröffnung im September sollen 6 Sorten des Breslauer Hausbieres sowie mindestens 4 Biere aus ausländischen Brauereien fertig sein. 2 Tausend Liter wird das Fassungsvermögen von jedem der zwei Behälter, die im Brauraum aufgestellt werden, in ihrer Nachbarschaft werden 6 Gär- und Lagertanks sowie 2 Drucktanks angebracht, jeder von ihnen für 4 Tausend Liter des goldfarbenen Getränks. Maximal 500 Tausend Liter soll die Brauerei jährlich produzieren – wenn man sich diese Größe besser vorstellen will, diese Menge entspricht dem Fassungsvermögen von 1/4 Schwimmbecken mit olympischen Massen oder 2273 mittelgroßen Badewannen, dies ergibt auch eine Million Halbliterflaschen (täglich - 2740).

Es gibt auch Pläne, dass im ersten halben Jahr die Brauerei Browar Stu Mostów ihr Bier an die Kneipen in Niederschlesien und in der Woiwodschaft Oppeln verkauft. Später soll sie auch weitere Märkte erobern, darunter auch einige gute Lebensmittelgeschäfte, da die Eigentümer ihre Erzeugnisse auch in Flaschen abfüllen möchten.

Sie verließen einen Konzern, um sich dem Bierbrauen zu widmen

Die Besitzer der Brauerei in der ul. Długosza 2 (ehemaliges Kino Wodomierz) Arletta und Grzegorz Ziemian haben ihre Liebe zum Bierbrauen nicht mit der Muttermilch aufgesogen. Wie sie erzählen, ihre berufliche Karriere begann in Großunternehmen – dabei auch im Investmentbanking. Sie in Warschau und er auch acht Jahre lang in den Vereinigten Staaten. Die Zeit, die sie in diesen Firmen verbracht haben, gilt für sie als wertvolle Erfahrung, sie möchten jedoch nicht zurück. Vor allem, weil auch sie die Gerüche über den Mechanismus bestätigen, der quasi zur Visitenkarte der Konzerne geworden ist: - wir haben 120 Prozent von uns gegeben und 80 bekommen – konstatiert Grzegorz Ziemian.

Er erzählt außerdem, dass er sich mit der Leidenschaft zum Bierbrauen ausgerechnet in den Staaten angesteckt hat – zuerst hat er nur den Geschmack der amerikanischen Hausbiersorten genossen, dann begeisterte er sich für die gesamte „Philosophie“ ihrer Herstellung und dafür, wie die Bierbrauer, welche die goldfarbenen Getränke nach Hausrezepten herstellen, ihr Fach wirklich „lieben“. Lieben gelernt haben es auch Arletta (Liebhaberin der belgischen Biersorten) und Grzegorz, und zwar so sehr, dass sie beschlossen haben, ihm weitere Jahre ihrer Leben zu widmen.

Wohl bewusst, dass man ohne die theoretischen Grundlagen und die Erweiterung des Fachwissens kein guter bzw. mit der Zeit anerkannter Bierbrauer wird, haben sie ein Aufbaustudium in Barcelona abgeschlossen, anschließend reisten sie nach Asien und verbrachten viel Zeit in China und Indien. Während dieser Reisen – sagt Grzegorz –(es war das Jahr 2012) ist ihre Entscheidung, eine eigene Brauerei zu gründen, reif geworden und als alles schon fest stand, blieb nur noch die Frage: wo?

- Wir konnten in die Staaten zurückkehren, in den Westen oder Süden Europas gehen, oder auch nach Asien – erzählt Grzegorz Ziemian. – Breslau hat uns jedoch so verzaubert und ist zudem eine Stadt mit einer 800 Jahre alten Bierbrauertradition, ein Treffpunkt, an dem wir uns wie zu Hause fühlen [beide stammen aus der Gegend von Oppeln - Red.] – fügt er hinzu.

Unsere Entscheidung bekräftigte auch die Tatsache, dass nach der Schließung des Browar Piastowski in der Stadt keine Brauerei mehr gibt, und zwar nicht einen Industrieriesen, sondern einen authentischen Handwerkerbetrieb wie es sich gehört, in dem das „Hausbier“ vor Ort sowohl gebraut als auch verkauft werden kann.

- Die handwerkliche Herstellung ist teurer als die industrielle, es ist ein völlig anderer Produktionsablauf – erklärt Grzegorz Ziemian. – Die Konzerne verkürzen die Herstellungszeit auf vierzehn Tage. Die Handwerkerbetriebe wiederum bereiten das Bier, je nach Sorte, zwischen einem und sogar mehr als zehn Monaten. Das auf diese Weise hergestellte Bier benötigt Arbeit, Zeit, Prüfung, es ist wie die Betreuung eines Kleinkindes, sein Geschmack ist jedoch einzigartig. Für uns zählt die höchste Qualität, der dieser Geschmack folgt – betont der Besitzer des Browar Stu Mostów Browaru Stu Mostów.

Hausrezepte – das beste Bier

Die Kosten des Projekts schätzen die Investoren auf 5 Millionen PLN. Es beteiligen sich daran auch private Investoren aus den USA. Die Brauerei befindet sich in einem frisch renovierten Backsteingebäude. Die Eigentümer haben dort die ästhetischen Fensterläden wiederherstellen lassen und die Räume so eingeplant, dass dort sowohl die Brauerei als auch der gastronomische Bereich im Zwischengeschoss Platz findet. Dadurch werden die Gäste das in der ul. Długosza gebraute Bier vor Ort verkosten können und dabei zusehen, wie der Herstellungsprozess abläuft. Die Trinkhalle soll ca. 60 Besuchern Platz bieten, zusätzliche Plätze werden im Biergarten draußen zur Verfügung stehen. Den Kunden soll eine Auswahl aus mindestens 10 verschiedenen Biersorten geboten werden – so viele Bierhähne sind an der Theke vorgesehen.

Dank den Geräten und der verwendeten Technik (von der Firma BrauKon bereit gestellt) wird Browar Stu Mostów bis zu 500 Tsd. Liter jährlich produzieren können, überwiegend obergärige Biersorten – es handelt sich dabei um die weltweit älteste Art des Bierbrauens. Früher, als man noch keine Kühlungsmethoden kannte, verwendete man noch nicht die Technik der Untergärung, die heute von den Industriekonzernen praktiziert wird und während der Biersorten vom Typ Lager entstehen. – Mit Obergärung bekommen wir jedoch ein Bier mit größerem Aroma und besserem Geschmack – betont Grzegorz Ziemian. – Als gutes Beispiel gelten dabei die Sorte IPA, Stout oder das Weizenbier – erklärt er.

Auf der Suche nach neuen Geschmacksrichtungen und ... Personal

Die Eröffnung der Brauerei ist zwar für September vorgesehen, das Bier wird jedoch schon vorher vorbereitet. Zurzeit entstehen die Rezepte für die ersten Stammwürzen, an denen Bierbrauer Grzegorz Ickiewicz. gerade arbeitet. Es ist ein erfahrener Braumeister, der vorher für Lwówek oder Konstancin gearbeitet hat. Browar Stu Mostów sucht außerdem nach weiteren Bierliebhabern, die gerne ein einem kreativen Team und an einem attraktiven Ort arbeiten möchten. Das Bewerbungsverfahren beginnt schon in den nächsten Tagen. Die Besitzer planen die Einstellung von ca. 10 Personen, einschließlich Servicekräfte für Gastronomie.

- Wir werden das beste Bier herstellen, sowohl im Hinblick auf die Qualität als auch auf den Geschmack. Deshalb sind für uns Menschen wichtig, die gerne herumexperimentieren, kreativ sind und neue Erfahrungen suchen. Und schließlich die uns helfen, eigene Rezepte zu entwickeln – sagt Arletta Ziemian.

 

Małgorzata Wieliczko

Fotos: Tomasz Walków